Vorträge 2025/2026
Der Historische Verein lädt Sie zur nächsten
Vortragsreihe ein.
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Allgemeine Hinweise:
Der Vortrag am 11.12.2025 ist im Kreishaus Ludwigsburg, Hindenburgstr 40 Konferenzzone Kleiner Sitzungssaal, Ebene 4.
Alle anderen Vorträge sind im Staatsarchiv Ludwigsburg, Arsenalplatz 3.
Beginn jeweils um 19.30 Uhr. Gäste sind herzlich willkommen.
Der Eintritt ist frei.
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Zusammenfassung gehaltener Vorträge
Dr. Erich Viehöfer
Donnerstag, 12.03.2026
Dr. Roswitha Emele
Franz Seraph Stirnbrand - Maler der Mächtigen
Die Kunsthistorikerin Dr. Roswitha Emele stellte im letzten Vortrag des Zyklus 2025/2026 mit Franz Seraph Stirnbrand einen heute weitgehend vergessenen Maler vor, über dessen Leben und Werk sie ihre Dissertation verfasst hat. Stirnbrand hatte einen geradezu „romanhaften Lebenslauf“. Als Findelkind mit kroatischen Wurzeln erlitt er eine Brandwunde, die zu seinem Namen „Stirnbrand“ führte. Sein künstlerisches Talent wurde früh erkannt. Als Autodidakt entwickelte er sich vom Handwerker zum Künstler. 1813 führte ihn sein Weg nach Stuttgart, wo eine große Nachfrage nach Porträts bestand, es zugleich aber an gut ausgebildeten Porträtisten mangelte. Er avancierte zum gefragtesten Porträtisten am württembergischen Hof, der Aufträge auch aus den höchsten gesellschaftlichen Kreisen erhielt. Mit dem Bildnis der gerade verstorbenen Königin Katharina gelang ihm der große künstlerische Durchbruch. Jedoch wurde er nicht in die Position eines „Hofmalers“ berufen. Hierfür hätte es üblicherweise eines Kunststudiums bedurft. Auch am badischen Hof war er erfolgreich, folgte aber nach einer zweijährigen Studienreise dem Ruf der Königinwitwe Mathilde Charlotte nach Ludwigsburg, wo er sechs Jahre verbrachte. Hier entstanden außer kleinformatigen Bildern für den familiären Gebrauch und biedermeierlichen Genrebildern auch in mehreren Schritten das bekannte Gruppenporträt der Ludwigsburger „Bärengesellschaft“. Nach der Erfindung der Fotografie machte sich Stirnbrand das neue Medium als Vorlage für Porträts zunutze.
Sein großer finanzieller Erfolg ermöglichte ihm ein repräsentatives Wohnhaus in Stuttgart. Er war ein Auftragsmaler par excellence mit langen Wartezeiten für Interessierte. Die Referentin konnte weltweit 463 überlieferte Gemälde von Stirnbrand ausfindig machen. Er starb 1882 im Alter von über 90 Jahren in Stuttgart. Sein Grabdenkmal auf dem Pragfriedhof konnte durch die Initiative von Frau Dr. Emele vor dem Verfall gerettet werden.
Donnerstag, 05.02.2026
Fritz Ludmann
Ludwigsburg mobil - Historische Autofirmen im Landkreis Ludwigsburg
In der zweiten Veranstaltung des Jahres stellte Fritz Ludmann, ein passionierter Fahrzeugkenner, acht interessante Fahrzeug- und Zulieferfirmen aus dem Kreisgebiet vor, die besondere Bedeutung für den Fahrzeugbau hatten.
Der Schwerpunkt seines Vortrags lag auf der Firma Gutbrod. Wilhelm Gutbrod aus Gerlingen gründete 1926 die „Standard-Fahrzeugfabrik“ in Ludwigsburg. Er produzierte zunächst Motorräder, die sehr erfolgreich im Motorsport waren. Die Firma zog 1933 nach Feuerbach und entwickelte einen eigenen Kleinwagen („Standard Superior 500“), eine Art Vorläufer des späteren Volkswagens. Das Unternehmen stellte 1954 die Autoproduktion ein, baut aber bis heute landwirtschaftliche Maschinen.
Alfred Kreidler entwickelte das Moped mit einem 50-cm²-Motor. Mit der „Florett“ wurde auch ein Modell für zwei Personen gebaut. Kreidler schrieb mit sechs Weltmeisterschaften Motorsportgeschichte. Das Unternehmen geriet in den 1980er Jahren in finanzielle Schwierigkeiten und wurde aufgelöst. Sehenswert ist die Kreidler-Sammlung im Zweirad-Museum in Neckarsulm. Die Firma Karco erwuchs aus einer Fahrradreparatur-Werkstatt in Gerlingen, die Karl Collmer 1922 gründete, und ist bekannt für die Herstellung von Benzinhahnen für die Zweiradindustrie. Sie ist heute noch in Familienbesitz. Die „Spezialwerkzeugfabrik“ (SWF) in Bietigheim, war führend bei Winkern, Blinkern und Scheibenwischern. Der Autozulieferer Beru fertigte Zündkerzen in Ludwigsburg, sowie Glühkerzen für Dieselmotoren. Mann+Hummel ist benannt nach den beiden Direktoren der Textilfirma Bleyle, die kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Ludwigburg mit der Produktion von Motorenfiltern begannen. Fiberfab (FF), 1965 gegründet, produzierte in den 1960er und 1970er Jahren in Ditzingen so genannte Kit-Cars, Bausatzautos. Als die Rennsportabteilung von Mercedes aufgelöst wurde, gründeten die beiden Ingenieure Aufrecht und Melcher die AMG. Im Jahre 1976 zog das Unternehmen nach Affalterbach. AMG ist ein Veredler, kein Hersteller, und wurde inzwischen von Mercedes komplett übernommen.
Donnerstag, 08.01.2026
Sascha Schmidt M.A.
Pipeline Archäologie: 5 Jahre archäologische Untersuchungen im Kreis Ludwigsburg (2020-2025)
Sascha Schmid, Geschäftsführer von fodilus GmbH, einem Unternehmen, das archäologische Maßnahmen während der Bauarbeiten des Fernleitungsnetzbetreibers terranets bw durchführt, stellte in seinem Vortrag wichtige Entdeckungen auf dem Gebiet des Kreises Ludwigsburg vor. Bei der Neckarenztalleitung (NET), die von Wiernsheim über Vaihingen, Sachsenheim und Bietigheim bis südlich von Löchgau führt, untersuchten die Archäologen auf einer Länge von 28 Kilometern 23 bekannte und 25 neu entdeckte Fundstellen. Sie gruben beispielsweise in Sachsenheim die Hausgrundrisse eines Dorfs aus und fanden ein Gräberfeld der Linearbandkeramik außerhalb der Siedlung. In Oberriexingen kamen Funde aus mehreren Jahrtausenden ans Tageslicht; so zum Beispiel Wassergefässe aus der Urnenfelderzeit, ein Grubenhaus aus der Eisenzeit, römische Umfassungsmauern, sowie Funde aus dem Frühmittelalter. Die sehr viel längere Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) führt ab Löchgau durch das Gebiet des Landkreises Ludwigsburg. Auf 24 km Trassenlänge wurden 37 bekannte und 17 neuentdeckte Fundstellen im Rahmen der Baubegleitung untersucht. Dabei entdeckte man in Poppenweiler schiffsförmige Hausgrundrisse aus dem Mittelneolithikum. Diese Entdeckungen gelten "Glücksfall für die Archäologie", da sie die Geschichte der Besiedlung in Poppenweiler und um Ludwigsburg weiter aufhellen. In Löchgau fanden die Archäologen bei einem römischen Gutshof aus der Mitte des 3. Jahrhunderts die Einzelbestattung einer Frau aus der Völkerwanderungszeit. In Freiberg am Neckar war es ein merowingisches Gräberfeld mit alemannischen Steinkistengräbern aus dem Frühmittelalter. Die so genannte Pipeline-Archäologie ermöglicht eine systematische Erkundung kilometerlanger, schmaler Trassen, um unerwartete Funde von der Steinzeit bis zur Neuzeit zu sichern, bevor der Boden zerstört wird.
Donnerstag, 11.12.2025
Wolfram Berner
55 Jahre Schullandheim Strümpfelbrunn – Leben, Lachen, Lernen am Katzenbuckel im Odenwald.
Der Vortrag von Kreisarchivar Wolfram Berner fand dieses Mal nicht im Staatsarchiv Ludwigsburg statt, sondern im Landratsamt. Ein Grund dafür war, dass das Schullandheim Strümpfelbrunn auch in Trägerschaft des Landkreises Ludwigsburg ist. Die ersten Schullandheime entstanden im Rahmen der Jugendbewegung und der Reformpädagogik bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Diese außerschulischen Lernorte erlebten eine erste Blütezeit zwischen 1925 und 1933. Im Jahr 1945 waren noch 100 vorhanden. Heute sind ca. 250 in einem Bundesverband organisiert. Eine Vorstufe gab es im Landkreis mit dem Schullandheim „Vogelnest“ der Stadt Kornwestheim bei Erbstetten auf der Schwäbischen Alb, das bis 2019 existierte. Landrat Dr. Ulrich Hartmann war die treibende Kraft auf der Suche nach einem geeigneten Standort für ein Schullandheim des Landkreises Ludwigsburg. Fündig wurde man in Strümpfelbrunn im Odenwald, wo eine Bauruine erworben werden konnte. Ursprünglich befand sich ein Buntsandsteinbruch an diesem Standort. Die Einweihung geschah am 29. Mai 1970. Als gemeinsame Träger der Stiftung Schullandheim Strümpfelbrunn fungieren Landkreis und Kreissparkasse Ludwigsburg. Der Ankauf von Grundstücken ermöglichte den weiteren Ausbau. So wurde der Pavillon des Landkreises von der Landesgartenschau beim Schullandheim wiederaufgebaut. Der Ausbau zu einem Waldschulheim war geplant, erwies sich aber als nicht realisierbar. Der Blasmusik-Kreisverband Ludwigsburg e.V., eine der wichtigsten Gästegruppen, führte in Strümpfelbrunn 135 Lehrgänge durch. Insgesamt kamen inzwischen mehr als 100.000 Gäste. Das Jubiläum zum 25jährigen Bestehen wurde am 21. Juli 1995 vor Ort gefeiert. Dreißig Jahre später fand ein Festakt im Sommer 2025 ebenfalls vor Ort statt. Ein „Tag der offenen Tür“ war verbunden mit einem festlichen Programm. Zum Jubiläum erschien ein eigenes Wimmelbuch des Schullandheims Strümpfelbrunn.
Donnerstag, 13.11.2025
Dr. Erwin Frauenknecht
Elsass und Württemberg - eine jahrhundertelange Liaison
Dr. Erwin Frauenknecht hielt den zweiten Vortrag des Zyklus 2025/26. Er war Kurator der Sonderausstellung „Württemberg und das Elsass: 700 Jahre gemeinsame Geschichte“, die im Hauptstaatsarchiv Stuttgart und in Riquewihr gezeigt wurde.
Württemberg war unter Graf Eberhard I. ein aufstrebendes Territorium in Südwestdeutschland. In dieser „Gründerzeit“ von Württemberg betrieb es eine nach Westen ausgerichtete Heiratspolitik. Am 7. Dezember 1324 erfolgte der Verkauf der Grafschaft Horburg und der Herrschaft Reichenweiher an Graf Ulrich III. von Württemberg. Die verhältnismäßig kleinen Gebiete werden von der Forschung als Torso eines größer geplanten Projekts interpretiert. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde eine neue Dimension erreicht, als Württemberg durch den Ehevertrag von 1397 mit Mömpelgard umfangreiche Erwerbungen an der Burgundischen Pforte erhielt. Die weitere Entwicklung war durch dynastische Beziehungen und die gemeinsame Religion bestimmt. Unter Graf Georg entstanden neue Schlösser in Reichenweiher und Horburg. Der elsässische Wein bildete ein starkes Band zwischen Württemberg und seinen linksrheinischen Gebieten. Besonders intensive Beziehungen bestanden unter Herzog Friedrich I. Die Expansion des Königreichs Frankreich erhöhte den Druck auf das Elsass, sowohl territorial (zeitweilige Besetzung) als auch religiös (Rekatholisierungspolitik). Mit dem Tod von Georg II. endete die dynastische Beziehung. 1796 fiel der württembergische Besitz endgültig an Frankreich.
Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es wieder zu einer Annäherung. Die erste deutsch-französische Städtepartnerschaft zwischen Ludwigsburg und Montbéliard knüpfte an ihre engen historischen Verbindungen an.
Donnerstag, 09.10.2025
Anna Rudi/ Manuel Schönberg
Die Puppensammlung der Tony Schumacher
Im ersten Vortrag des Zyklus 2025/26 stellten Anna Rudi und Manuel Schönberg, zwei Volontäre des Stadtmuseums Ludwigsburg, die
Forschungsergebnisse zu der von ihnen kuratierten Sonderausstellung „Geliebt und geraubt. Puppenkosmos Tony Schumacher“ vor, die bis Ende September 2025 zu sehen war. Sie gingen anhand von 16 Puppen
der Frage nach, wie diese nach Ludwigsburg kamen und wer sie gebracht hat.
Tony Schumacher, bekannt als Kinderbuchautorin, hatte eine Sammlung von mehr als 250 Puppen aus der ganzen Welt aufgebaut. Der „exotische“ Teil kam nach Ludwigsburg und wurde erst in den 1980er
Jahren wiederentdeckt.
Das erste Fallbeispiel stammt aus China. Die Puppe wurde von der Ehefrau eines Missionars in Hongkong übergeben. Ihr kolonialer Kontext sind die Opiumkriege und der Beginn der westlichen
Einflussnahme auf China. Ein weiteres Beispiel ist eine Theaterpuppe aus Südchina; dargestellt ist ein chinesischer Gelehrter. Der mögliche koloniale Kontext ist die Anwesenheit deutscher Truppen in
Qingdao um 1900.
Das zweite Fallbeispiel stammt aus Papua-Neuguinea. Der Übergeber, Felix von Luschan, baute als Vertreter der „Physischen Anthropologie“ eine umfangreiche Schädelsammlung auf- Diese Figur wurde
eventuell bei einer Forschungsreise 1912 erworben
Die „Ulmer Dockanne“, das dritte Fallbeispiel, war Tony Schumachers Lieblingspuppe. Sie stellt eine Patrizierin in süddeutscher Städtetracht aus dem 18. Jahrhundert dar und zeigt, dass Schumacher
nicht nur außereuropäische Puppen sammelte.
Das vierte Fallbeispiel ist eine schwarze Modepuppe, eine Senegalesin aus Paris. Sie gelangte über die Familie Colin zu Tony Schumacher. Friedrich Colin war als kolonialer „Pionier“ in Westafrika
aktiv.
Die vorgestellten Puppen hatten ganz unterschiedliche Sammlungshintergründe. Ihre Überbringer waren Missionare, Militärs und Kaufleute. Als letztes Glied der Personenkette fungierten aber meist
Frauen.
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