Vorträge 2018

 

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Jens Rommel:


Geschichte vor Gericht?
Zur strafrechtlichen Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen. 

Vortrag beim Historischen Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg am 7.2.2018

Zu den Jubiläen, die Ludwigsburg im Jahr 2018 feiert, gehört auch das 60jährige Bestehen der „Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“. Aus diesem Anlass stellte Jens Rommel, seit 2015 Leiter der Zentralen Stelle, die Geschichte und die Aufgaben seiner Einrichtung vor.

Die Bundesrepublik Deutschland wollte kein Sonderstrafrecht für Nationalsozialisten, keine rückwirkenden Strafgesetze. Sie hatte die Verantwortung des Einzelnen im Blick. Ein Ansatz, der für Massenverbrechen ungeeignet war. Bereits 1960 waren alle Straftaten, bis auf Mord, verjährt. Die Gründung der Zentralen Stelle 1958, Anlass war der so genannte Einsatzgruppen-Prozess in Ulm, verhinderte einen Schluss-Strich. Die Aufgabe der neuen Institution war es für Ermittlungen relevantes Material zu sammeln, zu sichten und auszuwerten. Schwierigkeiten traten in juristischer Hinsicht auf. Wie ist der Einzelne verantwortlich bei staatlichen Verbrechen? Wer ist Täter und wer ist nur Gehilfe? Dies hatte große Auswirkungen auf das Urteilsmaß. Schwierig war es die persönliche Beteiligung an einem Mord nachzuweisen. Die größte Schwierigkeit ist der zeitliche Abstand und die Frage der Verhandlungsfähigkeit der Angeklagten. Durch einen neuen Ansatz, schon die allgemeine Dienstausübung in den Konzentrationslagern ist ausreichend, konnten aber bis in jüngster Zeit Verurteilungen erfolgen.

Der Versuch einer Bilanz fällt ernüchternd aus: Von 175.000 Beschuldigten kamen nur 10 % vor Gericht, und verurteilt wurden weniger als 7.000 Angeklagte. Nach dem Ende der juristischen Aufarbeitung soll der Standort Ludwigsburg erhalten bleiben, in Form eines Dokumentations-, Forschungs- und Informationszentrums.

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Prof. Dr. Frank Baasner:

70 Jahre Deutsch-Französisches-Institut“.

Vortrag beim Historischen Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg am 11.1.2018.

Im Jahr 2018 häufen sich die Jubiläen in Ludwigsburg. Dazu gehört auch das siebzigjährige Bestehen des 1948 in Ludwigsburg gegründeten Deutsch-Französischen Instituts (DFI).

Gleich eingangs seines Vortrags räumte Professor Baasner, seit 2002 Direktor des DFI, mit einem Mythos auf: Nicht die beiden „Gründungsheroen“ Theodor Heuss und Carlo Schmid übten entscheidenden Einfluss auf die Gründung aus, vielmehr war Fritz Schenk, der erste Direktor des DFI, die treibende Kraft gewesen.

Die aktuelle Krise der Europäischen Union macht einen Neustart der Europapolitik notwendig. Daher ist ein Rückblick hilfreich auf die epochenmachenden Entscheidungen und was wir heute daraus lernen können.

Die beiden ersten großen Schritte in Richtung Europa, die Schuman-Erklärung von 1950 und die ersten Römischen Verträge von 1957, führten nicht zu einer politischen Union. Nach der schrittweisen Erweiterung und dem Mauerfall war der Maastrichter Vertrag von 1992 der dritte große Schritt, wobei abermals eine politische Union nicht zustande kam. Diese Versäumnisse sind bis heute schwerwiegend.

In 70 Jahren gab es nur drei Direktoren des DFI. Jeder von ihnen prägte auf seine Art das Institut: Fritz Schenk (1948-1972) war ein „Netzwerker“, persönliche Begegnungen und intellektueller Austausch standen im Zentrum seiner Tätigkeit. Unter seinem Nachfolger, Robert Picht (1972-2002), kam zusätzlich der fachwissenschaftliche Ansatz hinzu, die Analysefähigkeit. Der aktuelle Direktor, Frank Baasner, führt die Begegnungen und den wissenschaftlichen Ansatz fort. Neu hinzugekommen sind die Wirkungsanalyse (Reflexion) und der Bereich Beratung/Dienstleistung, zum Beispiel bei Städtepartnerschaft.

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