Vorträge 2013

 

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Alke Hollwedel

Das Ludwigsburg Museum im Wandel.

Vortrag beim Historischen Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg am 12.12.2013.

Mit zahlreichen Bildern stellte Dr. Alke Hollwedel, die Leiterin des Ludwigsburg Museum, ihr im Mai 2013 wiedereröffnetes Haus vor. Die Standortwahl für das neue Stadtmuseum zog sich über Jahre hin, bis die Entscheidung zugunsten der Eberhardstraße fiel, wo es sich die Räume mit der Touristinformation und dem Kunstverein teilt. Außen fällt die vornehme Fassadengestaltung durch die weiße Farbe auf, statt des gewohnten Gelbtons der Ludwigsburger Barockhäuser. Die Umbaumaßnahmen, nach Plänen des Architekturbüros Lederer+Ragnarsdóttir+Oei, erforderten im Innern massive Eingriffe in die beschädigte historische (Bau-)Substanz. Der Besucher erhält durch ein Leitsystem Hinweise auf die historische Nutzung der Räume. Frau Dr. Hollwedel nahm die Zuhörer mit zu einem Rundgang durch die vom Museumsgestalter HG Merz entwickelte Dauerausstellung, beginnend mit einer Zeitschleife von der Gegenwart bis zur Grundsteinlegung des Schlosses, und durch die sechs Themenräume: „Guter Fürst“; „Idealstadt“, „Musensitz“, „Neuerfindung“, „Soldatenstadt“ und „Bürgerstadt“. Der Rückblick auf die Museumsgeschichte zeigt, dass die Wurzeln des heutigen Ludwigsburg Museum weit zurückreichen, angefangen bei den Lesegesellschaften des 18. Jahrhunderts. Wie diese will auch das neue Ludwigsburg Museum ein Treffpunkt des geistigen Austausches sein. Ein Ausblick auf das künftige Museumsprogramm beschloss den Vortrag von Frau Dr. Hollwedel. Unmittelbar bevor steht die aktuelle Sonderausstellung „Geschenkt. Sammlungsgeschichten aus dem Ludwigsburg Museum“, die am Sonntag, den 12. Dezember 2013, eröffnet wird. Und im Januar wird der Ausstellungsführer erscheinen.

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Ulrich Krüger:

63 Jahre im Residenzschloss Ludwigsburg – Erlebnisse und Begebenheiten.

Vortrag beim Historischen Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg am 14.11.2013.

Ulrich Krüger, seit kurzem im Ruhestand als Schlossverwalter, lockte mit kurzweiligen „Plaudereien“ über sein Leben und seine Arbeit im Ludwigsburger Residenzschloss besonders viele Besucher in den Vortragssaal des Staatsarchivs. Krüger war erst drei Monate alt, als die Familie in die Dienstwohnung im Östlichen Kavalierbau zog. Der Vater war Leiter der Schlossbauverwaltung und hatte daher „Residenzpflicht“. Der Sohn genoss die Winterfreuden im Schlossgarten und lieferte sich, zusammen mit seinen Brüdern, heiße Kämpfe mit den „Tälesbanditen“. Leiter der Schlossverwaltung zu werden, das war nie das Ziel von Ulrich Krüger gewesen. Aber statt Bürgermeister wurde er Nachfolger seines Vaters, für dessen Stelle sich kein anderer Bewerber fand. Mit 22 Jahren war er damit bereits „Boss im Schloss“. Er fand ein „Behördenschloss“ vor, belegt von Staatsarchiv, Flurbereinigung und Staatsgalerie. Erst Jahre später konnte die Devise „Verwaltung raus - Kultur rein“ umgesetzt werden. Davor existierten zum Teil skurrile Nutzungskonzepte für das Schloss, die vom Olympiastützpunkt für die Dressurreiter bis zum Spielcasino reichten. Aber auch große private Kunstsammlungen, von Thyssen bis Guggenheim, waren am Schloss interessiert. Es bedurfte der Sanierung der gesamten Bausubstanz, um die heutige Nutzung zu ermöglichen. Die rückläufigen Besucherzahlen der Anfangszeit haben sich längst in einen breiten Strom von Besuchern gewandelt.
Dies bedeutete nicht nur viel Arbeit, sondern auch vielfältige Erlebnisse und Gegebenheiten. Dazu gehörten die Besuche gekrönter und ungekrönter Staatsoberhäupter, von kleinen Ländern, wie Liechtenstein, bis zu Großmächten, wie Russland oder China. Der Schlosshof war die „gute Stube“ der in Ludwigsburg stationierten Streitkräfte und für hochkarätige Musikereignisse. Manch peinliche oder kuriose Situation hatte Ulrich Krüger in den vergangenen Jahrzehnten als Schlossverwalter zu bewältigen, bevor er nun im kommenden Jahr endgültig Abschied vom Residenzschloss nimmt.

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Dr. Thomas Schulz:

Die Entstehung des Großkreises“ Ludwigsburg. Bemerkungen zur Kreisreform von 1973.

Vortrag beim Historischen Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg am 10.10.2013.

Zusammenfassung von Dr. Erich Viehöfer

Ein beherrschendes Thema in der Landespolitik von Baden-Württemberg war vor 40 Jahren die Verwaltungsreform. Bereits 1955 hatte die Landesregierung einen ersten (gescheiterten) Anlauf zu einer Kreisreform unternommen. Die große Koalition unter Hans Filbinger startete Ende der 1960er Jahre einen zweiten Anlauf. Das radikale „Denkmodell“ der Landesregierung sah vor, die Zahl der Landkreise von 63 auf 25, und die Zahl der Stadtkreise von neun auf fünf zu reduzieren. Das Denkmodell löste große Aufregung und heftige Diskussionen aus. Als Reaktion auf den massiven Widerstand wurde die ursprüngliche Schrumpfkur etwas gemildert und 1970 die Zahl der Landkreise auf 35 festgelegt.

Im Umfeld von Ludwigsburg stemmten sich die bedrohten Landkreise Leonberg, Vaihingen und Backnang gegen ihre Auflösung. Verzweifelt wurden Alternativen gesucht, z.B. durch einen neuen Großkreis Vaihingen-Pforzheim. An ihren Grenzen kämpften die Gemeinden um die „Feinabgrenzung“, um Verbleib oder „Umkreisung“. Im östlichen Teil kamen Rielingshausen und Affalterbach neu zum Kreis Ludwigsburg, Kirchberg dagegen wurde dem neuen Rems-Murr-Kreis zugeschlagen. Im oberen Bottwartal fiel die Entscheidung über die künftige Kreiszugehörigkeit der Orte, als nach zähem Ringen Oberstenfeld und Gronau zu Ludwigsburg kamen; Beilstein und Schmidhausen blieben auf eigenen Wunsch beim Landkreis Heilbronn.

Die Verantwortlichen im Altkreis Ludwigsburg hatten stets Verständnis für den Kampf der Kreise Leonberg und Vaihingen um ihren Fortbestand gezeigt. Sie hatten sich weitgehend aus der Diskussion um den künftigen Zuschnitt der Kreise herausgehalten. Dies hat das Zusammenwachsen des neuen „Großkreises“ Ludwigsburg wesentlich erleichtert.

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Rolf Bidlingmaier:

Rokoko im Herzogtum Württemberg?!

Vortrag beim Historischen Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg am 15.02.2013

Zusammenfassung von Dr. Erich Viehöfer

In Frankreich entstand der zwischen Barock und Klassizismus beheimatete Stil des Rokoko, Das ornamentale Leitmotiv ist die Rocaille, ein muschelartiges, asymmetrisches Ornament.

In Deutschland bildete sich das Rokoko in zwei unterschiedlichen Formen aus. Zum einen ist das höfische Rokoko zu nennen, das den Schlössern der zahlreichen deutschen Fürsten besonderen Glanz verlieh. Eine spezielle Ausprägung stellt das kirchliche Rokoko dar, das in den katholischen Kirchen Süddeutschlands zu höchster Blüte gelangte, aber auch in abgeschwächter Form den protestantischen Kirchenbau prägte. Beide Formen lassen sich in Württemberg nachweisen.
Herausragende Beispiele des höfischen Rokoko finden wir im Neuen Corps de Logis des Ludwigsburger Schlosses, im Neuen Schloss in Stuttgart und im Lustschloss Solitude
Aber auch außerhalb der Residenzstadt gab es Bürger, die die neuen Stilformen in ihren Bauten aufnahmen. Vor allem in der bürgerlichen Mittel- und Oberschicht, so beispielsweise die von Landbaumeister Johann Adam Groß in Winnenden errichteten Wohngebäude oder das nach seinen Entwürfen erbaute Spital in Nürtingen.
Die einzige in der Zeit des Rokoko neu errichtete Stadtkirche im Herzogtum Württemberg war die Stadtkirche in Wildbad. Als herrschaftliche Kirche hatte sie während des Aufenthalts der württembergischen Herzöge im Wildbad zugleich die Funktion einer Hofkirche. Die anderen Beispiele sind keine Neu-, sondern Umbauten. Bei der Herrenberger Stadtkirche veränderte der neue Kirchturm mit der bis heute stadtbildprägenden Turmhaube den äußeren Eindruck entscheidend. In Ottmarsheim wurde um 1750 das Kirchenschiff einem durchgreifenden Umbau unterzogen. Sowohl das Tonnengewölbe als auch die Empore zeigen reiche Stuckverzierungen. Ein weiteres Beispiel für eine Kirche im Kleid des Rokoko stellt die Remigiuskirche in Bondorf dar. Das Besondere an dieser Kirche sind die Rokokostuckaturen, mit denen das Plafond des Langhauses und die gotischen Chorgewölbe überzogen wurden. In der Nürtinger Stadtkirche schuf der Bildhauer und Schreiner Daniel Hammerbacher aus Rottenburg eine neue Kanzel in den Formen des kirchlichen Rokokos. Im 19. Jahrhundert hatte sich der Geschmack, aber auch die Mentalität gewandelt. Festliches Rokoko passte nicht mehr in eine evangelische Stadtkirche Württembergs. 1896 wurde die Kanzel durch eine andere in neugotischen Formen ersetzt.

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Dr. Nicole Bickhoff

Denn was ich schon habe ausstehen müssen, kann ich nicht genug beschreiben“. 
Württemberger im Feldzug Napoleons I. gegen Russland. 

Vortrag beim Historischen Verein für Stadt und Kreis Ludwigsburg am 10. Januar 2013.

Zusammenfassung von Dr. Erich Viehöfer

Die Vorgeschichte des Russlandfeldzugs von Kaiser Napoleon begann mit dem Vertrag von Tilsit 1807, durch den Europa zwischen Frankreich und Russland aufgeteilt wurde. Diese Allianz zwischen Napoleon und Zar Alexander zerbrach an der Kontinentalsperre gegen England. Im Februar 1812 erhielt König Friedrich den Befehl Napoleons zu sofortiger Mobilmachung. Württemberg gehörte dem Rheinbund an und war daher verpflichtet Truppen für den Russlandfeldzug Napoleons zur Verfügung zu stellen. Das Kontingent zählte 10.000 Mann Infanterie, 2.300 Mann Kavallerie und 1.000 Mann Artillerie. Durch weitere Verstärkungen wuchs es auf insgesamt 15.800 Mann an. Den Oberbefehl hatte Kronprinz Wilhelm. Der Abmarsch erfolgte am 11. März 1812 von Heilbronn aus. Der erwartungsfrohe Aufbruch wurde bald schon durch Versorgungsschwierigkeiten gedämpft. Der Mangel an Lebensmitteln wurde auf russischem Boden noch prekärer und schon Ende Juni brach die Lebensmittelversorgung völlig zusammen. Kronprinz Wilhelm erkrankte an Ruhr, musste das Oberkommando abgeben, und kehrte im Oktober nach Stuttgart zurück. Die verlustreichen Kämpfe bei Smolensk und Moskau brachten keine militärische Entscheidung. Die französischen Vorbereitungen für den russischen Winter waren schleppend und unzureichend. Beim Abmarsch aus Moskau waren von 15.000 württembergischen Soldaten nur noch 2.300 Mann übrig geblieben. Hunger und Kälte setzten den entkräfteten Soldaten auf dem Rückzug zu. Nur unter großen Verlusten gelang der Übergang über die Beresina auf dem Weg ins litauische Wilna. Dort fielen hunderte Württemberger in russische Kriegsgefangenschaft. Nur knapp 1.000 Soldaten kehrten nach Württemberg zurück.

Die vernichtende Niederlage Napoleons im Russlandfeldzug war der Anfang vom Ende der napoleonischen Ära. Württemberg wechselte die Fronten und kämpfte auf Seiten der Alliierten gegen Napoleon. Die soziale Absicherung der Kriegsinvaliden blieb rudimentär. Seit den 1830er Jahren schlossen sich Russland-Veteranen zu Vereinen zusammen. Überliefert sind 23 Erinnerungswerke; sie stammen meist von Offizieren. Auch zwei Ludwigsburger finden sich unter den Schreibern. Die Bilder des württembergischen Artillerieoffiziers Christian Wilhelm von Faber du Faur sind die wichtigste bildliche Primarquelle einer gigantischen Katastrophe, die zum damaligen Zeitpunkt ohne Beispiel war.

 

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